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Johanna - Ecuador - 2016/17

Ein anderes Land. Eine andere Sprache. Eine andere Kultur. Eine andere Familie.

Ich heiße Johanna Schuler, bin 17 Jahre alt und habe das Schuljahr 2016-2017 als Austauschschülerin in Ecuador verbracht. Ich habe mich für ein lateinamerikanisches Land entschieden, weil ich spanisch lernen und in eine doch so andere Kultur eintauchen wollte. Ecuador speziell hat mich wegen den vier verschiedenen Regionen (den Anden, der Küste, dem Dschungel und den Galapagos Inseln) besonders angesprochen. Im folgenden möchte ich von meinen Eindrücken und Erfahrungen berichten.

Am 2. September 2016 habe ich mich von meiner Familie verabschiedet und bin ins Flugzeug gestiegen um zehn Monate lang in Cuenca, einer Stadt in den Anden Ecuadors zu leben.

Zunächst einmal möchte ich meine ersten Eindrücke näher beschreiben. Die ersten Tage habe ich in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, zusammen mit anderen Austauschschülern verbracht. Alles war neu, überwältigent, so anders und es kam mir so absurd vor am anderen Ende der Welt zu sein.

Als ich in Cuenca angekommen bin, sind mir sofort die vielen Flüsse (insgesamt vier), die wunderschöne Altstadt und die Berge um die Stadt herum aufgefallen. Meine Gastfamilie bestand aus meiner Gastmutter, einer zwei- und einer 15-jährigen Gastschwester. Von Anfang an haben sie mich liebenswürdig bei sich aufgenommen und vorallem meine Gastmuutter hat mir viel beim spanisch lernen geholfen und mir immer wieder versucht die Kultur etwas näher zu bringen. Schnell habe ich die ganze Großfamilie kennen gelernt. Auch wenn alle freundlich und sehr aufmerksam waren, war es am Anfang doch alles ein bisschen viel vorallem weil ich eigentlich nichts verstanden habe.

Als zweiten Punkt möchte ich von meiner Schule erzählen. Das erste Mal als ich in die Schule gegangen bin, war ich ganz schön nervös. Aber von Beginn an waren alle total nett zu mir, wollten mir helfen und so habe ich schnell Anschluss gefunden. Mit meinen Lehrern war es ein bisschen schwieriger, da sie nicht wussten, dass ich keine Noten brauchte und ich versuchte ihnen das mit meinem noch sehr beschränktem spanisch zu erklären. Es gab auch ein paar Lehrer, die wollten, dass ich von Anfang an alle Hausaufgaben und Tests mitschreibe. Das hat mich ein bisschen aufgeregt, aber jetzt im Nachhinein bin ich froh darüber, denn ich glaube dadurch habe ich schneller spanisch gelernt. Außerdem habe ich in der Mädchenmannschaft unserer Schule Fußball gespielt, was mir wahnsinng viel Spaß gemacht hat und an einigen Wanderwochenenden mit dem ?Andenclub? teilgenommen, wodurch ich Ecuadors vielfältige Landschaften kennenlernte.

Im Anschluss möchte ich nun über meine doch recht schwierige Anfangszeit reden. Die erste Woche war wirklich nicht leicht für mich. Ich habe meine deutsche Familie, mein Zuhause, meine Freunde, das Essen und einfach alles Deutsche vermisst. Zusätzlich ging es mir wegen der Höhe (Cuenca liegt auf 2500m) nicht gut. Doch zum Glück fing ich nach dieser ersten Woche langsam an mich an alles zu gewöhnen. Wie schon gesagt, habe ich mich sehr gut mit meiner Gastmutter verstanden und überhaupt hatte ich echt Glück mit meiner Gastfamilie. Ich glaube, dass auch sie mir geholfen hat, mich schneller und leichter einzuleben. Und spanisch hab ich jeden Tag ein bisschen besser gekonnt.

Es gab zwei Ereignisse, die mir ziemlich klar die kulturellen Unterschiede aber vielleicht auch die familiären Unterschiede gezeigt haben. Als Erstes Weihnachten: Es war ein schöner Abend mit meiner Gastfamilie aber es war nicht das Weihnachten wie ich es kenne. Wir haben nicht gesungen, es gab keinen Weihnachtsbaum und wir sind auch nicht in die Kirche gegangen. Ich habe mein deutsches Weihnachten vermisst aber zum Glück nicht so sehr meine Familie. Das zweite war Silvester: Ich fand es schade, dass das Feuerwerk schon vor zwölf statt fand, aber mir hat es um so mehr gefallen, dass sich alle verkleidet und getanzt haben. Außerdem gefiel mir die Idee von den ?años viejos?, welches Pappmarchéfiguren sind, die symbolisch für alles Schlechte aus dem letzten Jahr verbrannt werden.

Durch all dies habe ich viel über mich selbst und über die ecuatorianische Kultur gelernt. Jetzt kenne ich meine Fähigkeiten aber auch meine Grenzen besser. Auch weiß ich, dass ich mich in eine unbekannte Kultur und Familie integrieren kann. Mir ist aber ebenfalls bewusst geworden wie sehr ich meine deutsche Familie liebe, auch wenn ich ohne sie Entscheidungen treffen kann. Ich bin wahnsinnig froh mich für dieses Auslandsjahr entschieden zu haben, denn ich glaube, dass ich aus diesem ereignisreichen Jahr viel für mein Leben mitnehmen werde.