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Vor 3 Monaten kam meine neue Gastschwester Ana aus Costa Rica an. Als AFS Ehrenamtliche hatte ich eh vor mich in diesem Jahr als Ehrenamtliche am Flughafen zu engagieren. Daher hatte ich sozusagen gleich als erste der Familie die Gelegenheit, Ana kennen zu lernen und „nach Hause zu bringen“. Das ist eigentlich eher ungewöhnlich, war aber total schön.

Die ersten Tage waren natürlich erstmal ungewohnt. Immerhin kam da eine völlig neue Person in unsere Familie und allen war klar, dass sie auch ein ganzes Jahr bleiben wird. Meine Familie ging diese Situation aber erstmal ganz pragmatisch an: Es wurde erstmal viel erklärt und gezeigt. Und bald wurde es auch schon normal, dass da noch eine weitere Person mit am Tisch saß.

Da für mich mein Semester wieder begann, konnte ich bald nicht mehr viel Zeit „zuhause“ verbringen. Dafür hatte ich dann die Möglichkeit, die Entwicklung aus der Ferne zu beobachten und immer mal wieder „übers Wochenende“ in die Erfahrung mit einzutauchen. In den letzten drei Monaten hat Ana schon sehr gut Deutsch gelernt. Während anfangs noch viel Englisch gesprochen wurde, bremst sie mittlerweile eher meine Familie, wenn diese ihr zu viel Englisch sprechen. Immerhin will sie Deutsch lernen.

Anfangs hat meine Familie viel mit Ana unternommen, denn natürlich wollten wir ihr unsere Heimat zeigen und näher bringen. Mittlerweile wird aber immer deutlicher, dass sie nicht als Touristin hier ist. Im Gegenteil, sie lebt jetzt hier. Sie geht zur Schule, in den Sport, beginnt Freundschaften zu schließen und sich hier ihr eigenes Leben aufzubauen. Der Familienalltag wird langsam zu ihrem Alltag und anders herum. Ana in der Familie zu haben bedeutet nicht einfach einen sehr lang bleibenden Gast zu haben, den es zu bespaßen gilt. Sondern es bedeutet ein Familienmitglied dazu zu gewinnen, das uns unsere „bekannte Welt“ auch in Frage stellt. So haben wir zum Beispiel erfahren, dass es in Costa Rica kaum Straßennamen gibt. Die Leute wohnen dann zum Beispiel „300 Meter hinter dem großen Mangobaum in dem gelben Haus hinter der Kirche“.

Ana war dann total begeistert, da sie bei uns in ihrer ersten Woche gleich 2 (!) Briefe bekam. In Costa Rica hatte sie noch nie einen bekommen.

Viel gelacht wurde auch, als sie die Wörter „Hühnchen“ und „Hündchen“ verwechselte und wir plötzlich panisch nach unserem Hund riefen, als eine andere Austauschschülerin aus Malaysia für uns gekocht hatte und Ana uns die Speisekarte bekannt gab.

Da Ana altersmäßig genau zwischen meiner ältesten jüngsten Schwester und mir liegt, sich aber blendend mit meiner jüngsten Schwester versteht, fungiert sie auch ein bisschen als Bindeglied zwischen uns Schwestern. So haben mich meine Schwestern, Ana und eine weitere Austauschschülerin gemeinsam in Freiburg besucht. Das war das erste Mal, dass mich meine beiden Schwestern gleichzeitig besuchen kamen.  :)


Die Erfahrung einen Austauschschüler aufzunehmen verläuft natürlich nicht immer gleich und verläuft mit Sicherheit auch nicht immer so reibungslos, wie bei uns zur Zeit. Doch funktioniert das AFS System nunmal nur, wenn Familien, die ihre Kinder für ein Auslandsjahr in die Welt schicken, auch irgendwann mal ein Gastkind aufnehmen. Die Erfahrung, ein Gastkind aufzunehmen ist eine, die
unseren Familienhorizont erweitert und uns wahnsinnig bereichert. Ich jedenfalls freue mich auf die nächsten Monate mit meiner Familie, zu der jetzt auch Ana Lu gehört.  :)